KRAMERS-REISETIPPS

                                                                                    

Tausend und eine Nacht
Als Frau alleine in Marrakesch


Das kommt davon, wenn man so gerne Märchen liest – ich MUSSTE einfach nach Marrakesch fliegen und alles sollte so sein, wie ich es mir vorgestellt habe!
Wohnen im Riad (Bedeutung: eingezäunter Garten) gehörte dazu. Riads sind  kleine palastartige Häuser mit Innenhof, oft verschachtelt mit Türmchen, Erkern, vielen Terrassen, die auf verschiedenen Ebenen liegen. Meistens gibt es die Riads  in der Medina, der Altstadt -  authentischer geht es nicht! Das Wohnen ist  viel intimer als in diesen riesigen Hotelburgen. Innen befindet sich ein romantisch bepflanzter Innenhof mit vielen Brunnen, in denen Rosenblätter schwimmen. Die exotischen Märkte sind zu Fuß zu erreichen. Riads haben nur wenige Zimmer und sie sind persönlich und liebevoll geführt. Es ist wie in einem feudalen Wohnhaus – Aufenthaltsräume, Bibliotheken, Haman-Dampfbad. In vielen Riads kann man ausgezeichnet essen.
„Mein“ Riad hieß  Riad Ifoulki und wird von einem Deutschen geführt, der ihn mit viel Liebe eingerichtet hat.  Morgens wurde ich früh von den Rufen des Muezzin geweckt; ich ging auf meine kleine Dachterrasse, von der ich einen bezaubernden Blick über die Altstadt von Marrakesch hatte und den ich besonders bei Sonnenuntergang genoss.  Mein köstliches Frühstück mit frischen Säften und vielen dort gereiften Früchten stand – wie von Geisterhand – auf einem verzierten Tischchen auf der roten Sandsteinterrasse, wer hatte mich aufstehen gehört?
Gestärkt verließ ich mein Domizil in mein kleines Gässchen an spielenden Kindern vorbei zum berühmten Markt Djemaa el-Fna ganz in der Nähe.  Hier gibt es massenhaft Schlangenbeschwörer, Märchenerzähler (die umringt sind von Männern!), Medizinmänner und „Zahnärzte“, Wasserträger, Henna-Bemalerinnen, Orangen- und Dattelstände, die die frischesten Früchte anbieten. Abends ist natürlich der Markt bevölkert und die Atmosphäre einmalig exotisch. Dann muß man schon mal kräftig „non!!“ sagen, damit man nicht laufend angesprochen wird.

Ein köstlicher Tee aus frischer Minze (thé à la menthe) im Café de France im 1. Stock mit Blick auf den Markt ist zu empfehlen und man ist bereit für einen Einkaufsbummel im Souk. Da heißt es aufpassen, daß man nicht zu viel kauft, denn es gibt so viel Schönes  und der Koffer fasst nur 20kg - herrliche Babouches (Pantoffeln), Taschen, Wolle, Kleider, Teppiche, Holzarbeiten, Filz – oh jemineh, Handeln ist angesagt!
Die Handwerker-Souks sind am schönsten, hier wird noch gegerbt, Wolle gefärbt, Kupfer gehämmert, Gewürze gemischt.
Danach ging es zurück in den Riad zum Ausruhen und zu einem köstlichen Essen.

Aber nachmittags wollte ich mehr kennenlernen und spazierte zu der Stadtmauer, wo die Kamele rasten und viele viele Störche ihre Nester haben.
Der nächste Tag gehörte einem der herrlichsten Gärten Marokkos: Jardin Majorelle, der zwischen 1922 und 1962 vom französischen Maler Jacques Majorelle angepflanzt wurde. Es ist ein bezaubernder Park mit Kakteen, Riesenbambus und Palmen, die besonders wirkungsvoll vor den blauen Mauern (nach den Overalls der französischen Arbeiter) wirken. Nach Majorells Tod kaufte der französische Modedesigner Yves Saint Laurent, der nebenan wohnte, diesen Garten.

Interessant ist auch die alte Koranschule, ein Juwel maurischer Architektur oder der Bahia-Palast.Die Koutoubia-Moschee mit ihrem 70 Meter hohen Minarett trägt drei goldene Kugeln an der Spitze. Der Legende nach wurden sie aus dem Schmuck einer der Frauen el Mansours, dem Erbauer, gefertigt, den diese als Buße opferte, weil sie während des Ramadan das Fasten gebrochen hatte, indem sie drei Weintrauben aß. Viele marokkanische Frauen sind modern und westlich gekleidet, aber aus Respekt sollte man in Marrakesch auf korrekte Kleidung achten.

Nach meinen Stadterkundungen zog es mich aus der Stadt und so war ich am 3. Tag  mutig, fuhr mit einem Taxi in den unteren Atlas, wo ein Muli (mit Führer) auf mich wartete und ich mich auf dem „Tier“ hoch ins Gebirge wagte und oben von den reizenden Berbern köstlich mit Tajine – Gemüsesuppe mit geschmortem Huhn – bewirtet wurde. Männer bedienten mich, die unverschleiertenBerberfrauen  (mit Gesichtstätowierungen) kicherten im Hintergrund, waren aber trotzdem sehr offen. Bei den Berbern im Gebirge sieht man häufig „die Hand der Fatima“ als Kette am Hals. Sie soll beschützen vor dem bösen Blick.
Der Besuch in der „roten“ Stadt hat mich nicht enttäuscht und ich habe mir vorgenommen, einmal wiederzukommen.

 

Riad Ifoulki    6 Bilder

bei den Berbern im Atlas-Gebirge  7 Bilder

und noch andere Bilder der Reise

im Jardin Majorelle