KRAMERS-REISETIPPS

                                                                                    

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Berühmte Parkjuwelen der Fürstbischöfe und Markgrafen  in Franken                                                                                                        zurück

Seit Menschengedenken haben die Gärten einen besonderen Stellenwert in der Kulturgeschichte. Die Ruhe und Schönheit der Barockgärten, Landschaftsgärten, Kräutergärten  machen die Parks und Gärten Frankens heute zum Anziehungspunkt und erfreuen Gartengenießer und -fachleute. Die unterschiedlichsten Gartenkulturen gestalten die abwechslungsreiche Landschaft Frankens. Die Markgrafen von Ansbach und Bayreuth holten mit mediterran anmutenden Villen und  wärmeliebenden Pflanzen den Süden nach Franken, die Fürstbischöfe von Eichstätt sammelten botanische Raritäten. Eine Reise dahin lohnt sich für Pflanzen- und Gartenliebhaber zu allen Jahreszeiten.

Eichstätt

Hofgarten

Um die ehemalige Sommerresidenz des damaligen Fürstbischofs Franz Ludwig Schenk von Castell und die heutige Universität von Eichstätt erstreckt sich die grüne Seele Eichstätts, der 1735 entstandene barocke Hofgarten. Einst war er den Fürstbischöfen von Eichstätt vorbehalten, heute steht er allen Bürgern offen. Schon damals  begegneten die Besucher im Garten Pflanzen aus Europa, Asien und Amerika. Derzeit beherbergt der repräsentative Hofgarten mehr als 180 Bäume und Sträucher in rund 70 verschiedenen Arten.  Hier sieht man große Ginkgo- und Mammutbäume, Hainbuchen und den Amur-Korkbaum,  den Streifen-Ahorn und den Japanischen Schurbaum. In Form eines großen Rechtecks führt die 22.480qm große  Anlage aus barockem Park und Landschaftsgarten mit botanischen Seltenheiten  zur ruhig dahinfließenden Altmühl hin. Drei verspielte Gartenpavillons, Wasserspiele und  Anlagen von kleinwüchsigen Baumalleen und sorgfältig zu kunstvollen Ornamenten gestutzten Hecken prägen den Stil der barocken  Anlage.  Nach der Säkularisation wurde der hintere Teil im Stil der englischen Landschaftsgärten mit unbeschnittenen Bäumen umgestaltet. So erlebt man in diesem historischen Park eine gärtnerische Zeitreise.

Täglich geöffnet, Eintritt frei

Der Biotopgarten und Garten der Sinne

ist eine Erweiterung der Ausstellung des Infozentrums Naturpark Altmühltal in der Altstadt.  Hier werden die wichtigsten landschaftsformenden Naturerlebnisräume des Altmühl-Jura im Kleinformat gezeigt. Der Garten der Sinne ist auf zwei aus Kalkstein aufgebauten Hochbeeten dem sinnlichen Naturerleben gewidmet. Über 40 Pflanzen auf einem Areal von 100qm  laden zum Anschauen, Tasten, Fühlen, Riechen und Schmecken ein. Für Blinde sind die Pflanzen auch in Braille-Schrift erläutert.

Öffnungszeiten:  Mitte April-Ende Oktober, Mo-Sa 9-17Uhr, So (und Feiertage) 10-17Uhr, Eintritt frei

Der Bastionsgarten

hoch oben auf der Schmiedebastion der Willibaldsburg ist von der Bayerischen Schloss- und Gartenverwaltung Ansbach 1998 neu angelegt worden und lädt alle Gartenliebhaber zum beschaulichen Lustwandeln auf den Spuren des berühmten Buches  „Hortus Eystettensis“ ein. Fürstbischof Johann Conrad von Gemmingen ließ Ende des 16. Jahrhunderts einen der bedeutendsten Gärten Europas anlegen. Der Nürnberger Apotheker und Botaniker Basilius Besler schuf den ursprünglichen Garten und verewigte ihn auf  367 Kupfertafeln. Der Garten wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört, aber der Prachtband Beslers über die 1084 Pflanzen blieb und diente als Basis für die Neuanlage. Der 1.700qm große Informationsgarten mit exotischen und vom Aussterben bedrohten Pflanzen ist also eine freie Nachbildung. Seine Bepflanzung ist an der Aufteilung des Buches und an den Blütezeiten ausgerichtet: Im ersten buchsgefassten Beet im Nordwesten wachsen im Schutz der Burgmauern die Frühlingsboten, im letzten Beet die Winterblüher, in der Mitte soll ein Springbrunnen den Rücken des alten Buches darstellen, das aufgeklappt auf dem Boden liegt.

Eintritt frei

Öffnungszeiten: von Mitte April – Mitte Oktober, Di-So 9-18 Uhr, Mo geschlossen.

Im Museum für Ur- und Frühgeschichte  auf der Willibaldsburg werden Exponate archäologischer Grabungen ausgestellt, unter anderem  ein Skelett eines ca. 50.000 Jahre alten Mammuts. Im Jura-Naturkundemuseum auf der Burg werden die schönsten Fossilien der Solnhofener Plattenkalke gezeigt, so ein Original des Urvogels Archaeopteryx.

Eichstätt bietet 800-900 km Radwege im Altmühltal  mit  unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden für Familien, Wanderer und Senioren an.

 

Ansbach

Hofgarten

Ein  barockes Gartenjuwel ist der Hofgarten der Ansbacher Markgrafen. Mittelpunkt  bildet die 102m lange Orangerie, vor deren Front jährlich Anfang Juli  die Ansbacher Rokoko-Festspiele stattfinden. Von der Terrasse hat man einen herrlichen Blick auf das farbenprächtig bepflanzte Rasenparterre, wo  in Anlehnung an barocke Musterbücher eine artenreiche Anordnung von Frühlingsblühern und Sommerpflanzen wachsen.  170 Kübelpflanzen kann man vor der Orangerie bewundern, Zitruspflanzen,  Pomeranzen, Pistazien,  Oliven,  Feigen,  Granatäpfel und Lorbeer. Nach extremen Bombenangriffen 1945 wurde die Orangerie zerstört und  in den 1950er Jahren wieder nach alten Plänen aufgebaut. Die 1724 angelegte doppelte Lindenallee, der Lindendom,  ist bis zum heutigen Tag in ihrer Einzigartigkeit erhalten. Dort wurde das Findelkind Kaspar Hauser ermordet, woran ein achteckiger Gedenkstein mit der Inschrift „Hier wurde ein Geheimnisvoller geheimnisvollerweise getötet  am 14. Dezember 1833“ erinnert.

Leonhart Fuchs-Garten

Der Namenspatron der Fuchsie, Leonhart Fuchs, gab diesem bezaubernden Kräutergarten am Rande des Hofgartens den Namen. Leonhart Fuchs war der Leibarzt des Markgrafen Georg des Frommen und dieser Garten entstand auf der Grundlage seiner Forschungen.  Die Beete zeigen Heilpflanzen aus dem berühmten Kräuterbuch „New Kreuterbuch“ aus dem Jahre 1543, in dem es heißt „nützlich und wunderbarlich Kreuter zu allerley gebrechen“...

Während des 20jährigen Krieges 1627 gelang es in Ansbach, vermutlich zum ersten Mal in Deutschland, eine  „Agave americana“ zum Blühen zu bringen. Das wiederholte sich in den Jahren 1627, 1686 und 2012 und jetzt blüht wieder eine Agave, pünktlich zum 300. Geburtstag der Markgräfin Friederike Luise von Ansbach, einer Schwester von Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth und Friedrich des Großen. Der bayrische Finanzminister Söder taufte die Agave (am 6. Juni 2014 hatte sie schon eine stattliche Größe von 4,20m!)  allerdings nach seiner Frau „Karina „.

Zwei kleine Gärtchen sollte man sich in Ansbach noch anschauen:

„An der Riviera“ ist eine kleine Oase des Glücks, eine barocke Grünanlage in strenger Symmetrie. Im Mittelpunkt steht eine anmutige Bronzefigur des fränkischen Künstlers Ernst Steinacker mit dem Titel „Der Flötenspieler“.

Der Beringershof,

ist eine ehemalige Stiftsküsterei  neben der Gumbertuskirche in der Altstadt  und  bezaubert durch die Auswahl der Pflanzen nach dem architektonischen Grundgedanken: „Pflanzen haben dienende Funktion“. So tragen sie bei, einen Ort der Ruhe zu schaffen mit plätscherndem Brunnen  und laden zum Verweilen ein“.

 

Bayreuth

 

Fantaisie

 

Die weltberühmten römischen Villen, die der Markgraf Friedrich von Bayreuth  und seine Frau Wilhelmine, Lieblingsschwester Friedrichs des Großen,  auf ihrer Italienreise 1755/56 kennengelernt hatten, sollen die Anregung für das Schloss Fantaisie gewesen sein.  Schloss und Park sind aber die Schöpfung von Herzogin Elisabeth Friederike Sophie (1732-1780), der Tochter des Markgrafen. Nach dem Scheitern ihrer Ehe mit Herzog Karl Eugen von Württemberg kehrte sie nach Bayreuth zurück.

Sie gab ihrem Landgut in Donndorf bei Bayreuth den Namen Fantaisie, da es exakt nach ihrer Vorstellung durch den Bayreuther Hofbauconducteur Johann Jakob Spindler  verwirklicht wurde und ließ einen spätbarocken Garten (mit dem Schloss als Staffage)  mit Kaskade, Irrgarten, Pavillon und Neptunbrunnen anlegen.  Ihre Gartenfeste dort waren legendär.

Ab 1793 wurden  die Anlagen im Stil des sentimentalen Landschaftsgartens, mit See und Bach (als Lichtträger der Seele) erweitert. Dunkle Baumanpflanzungen und weite Ausblicke in die Landschaft  befreiten sich von den Zwängen der geometrischen Formen und schufen idealisierte Landschaften. So kann man im Park der Fantaisie drei wichtige Stilphasen entdecken – Rokoko, Empfindsamkeit und Historismus.

Cosima Wagner wohnte mit ihrem Mann Richard während des Baues des Festspielhauses neben der Fantaisie und schrieb in ihr Tagebuch:“ Mit Richard einen langen Spaziergang im herrlichen Park gemacht – Rosen, Akazien, Jasmin, alles blüht und duftet, dazu der Tannenwald, wie leicht vergisst es sich dann, in welch böser Welt wir leben“.

Hofgarten

Er ist heute die grüne Lunge der Stadt Bayreuth und ein Rückzugsort für stille Erholung.

Die Mittelachse des Gartens bildet ein Kanal mit vier Inseln.  Eine der heute noch existierenden Längsachsen, die Mailbahn-Allee, diente dem historischen Baille-Maille, einem mit Crocket vergleichbaren Spiel .

Das Markgrafenpaar ließ Alleen, Heckenquartiere, Laubengänge und Parterres anlegen.  Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Anlage in einen Park nach „Engelländischer Art“ mit sich schlängelnden Wegen und freien Pflanzungen umgewandelt.

Die Eremitage

ist eine Gartenkunstanlage von europäischem Rang, in dem die Markgrafen von Bayreuth Stille und Entspannung suchten. Deshalb der Name Eremitage, Rückzugsort, wo das meditative Mönchsleben verwirklicht werden sollte.

 

Markgraf Friedrich schenkte das Terrain, das auf drei Seiten vom Roten Main umgeben ist, seiner Frau Wilhelmine und – von der Einzigartigkeit fasziniert – begann sie sofort mit umfangreichen Erweiterungsmaßnahmen. Sie liess das „Neue Schloss“ mit zentralem Sonnentempel und der halbkreisförmigen Orangerie errichten und griff auf traditionelle barocke Elemente wie Heckenquartiere, Laubengänge und Wasserspiele mit dem Neptunbrunnen als Mittelpunkt (den sie ihrem Bruder Friedrich II widmete) zurück. Das Wasser für die Wasserspiele wird durch ein natürliches Gefälle aus einem 50.000 Liter fassenden Bassin  gespeist und funktioniert heute noch. (jeden Tag bis 18 Uhr).

 

Im alten Schloss richtete die Markgräfin sich, nachdem ihr Mann sie nach zehn Jahren Ehe mit ihrer besten Freundin aus Berlin als Mätresse betrog, ein Chinesisches Spiegelscherbenkabinett ein, in dem sie ihre berühmten Memoiren schrieb. 

Künstliche Ruinen waren damals modern und so trugen das Ruinentheater und sogar das Ruinen-Grabmal für ihren geliebten Zwergspaniel Folichon mit echten korinthischen Säulen dazu bei, der Eremitage eine Sonderstellung unter den Gartenanlagen des 18. Jahrhunderts zu geben.

Nicht versäumen sollte man, sich das „Guckloch“ in einer Hecke zeigen zu lassen mit Blick zum weit entfernten Festspielhaus Richard Wagners. König Ludwig II, der häufig Gast im Schloss war, hatte den Wunsch, das Haus auf dem grünen Hügel auch von der Eremitage aus sehen zu können…

Für alle Gärten werden geführte Rundgänge angeboten über www.frankentourismus.de

 

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