KRAMERS-REISETIPPS

                                                                                    

Der Couturier, der Weihnachtsbäume dekoriert,
und dabei Vivaldi hört!


Basel. Johann Wanner hat die berühmtesten Weihnachtstannen geschmückt: vor dem Weißen Haus in Washington, für den Vatikan auf dem Petersplatz in Rom, für Queen Elizabeth II in London und im Palast des Fürsten von Monaco. Da aber seiner Meinung nach Weihnachtsbäume etwas sehr Persönliches sind, gibt er keine weiteren Namen seiner prominenten Kundschaft preis.

 „Weihnachtsbaumschmuckausstattungsspezialgeschäft“ steht über seinem Weihnachtshaus am Spalenberg 14 in Basel. Dort glitzert und funkelt es nur so – wer da nichts für seinen Baum findet, der sollte das Schmücken des Baumes bleiben lassen. Es gibt einfach alles in diesem Laden – von der antiken bis zur aktuellen Dekoration in über 900 Farben, rote Kugeln mit weißen Punkten, Quietscheentchen als Weihnachtskugeln, Pinkfarbiges, Erdbeeren, Fußbälle, Muscheln, Glasvögel, altes Bleilametta, große schwarze mundgeblasene Kugeln (die Lieblingskugeln von Wanner) , die wie  Spiegel reflektieren, im Hintergrund  alles verklären und mystisch wirken und – „ganz in“ dieses Jahr wieder -  die silbernen Kugeln. Die mächtige Tanne vor dem Basler Münster ist von ihm mit goldenen und silbernen Kugeln und goldenen Engeln dekoriert.
Gerne erzählt uns der fitte 74jährige, der sommers mit seinem Rennrad unterwegs ist und winters noch auf dem Eis tanzt,  aber sich auch in seinen (3!) Rolls Royces mit dem Kennzeichen „WANNER“ chauffieren lässt, von der 25-Meter-Tanne, die zum Petersplatz transportiert werden mußte. Das war ein schwieriges Unterfangen im Gotthard-Tunnel. In Rom angekommen wurde der Baum in den Farben des Papstes mit 753 gelben und weißen Kugeln und an der Spitze mit einem riesigen goldenen Engel geschmückt. Am nächsten Morgen war der Engel verschwunden,  stattdessen hatte man ein Kreuz angebracht. Den Engel fand man später über der Krippe hängend unter dem Baum. Wanner fand das genauso schön.
Der weltweit gefragteste Experte für Weihnachtsschmuck fühlt sich als Komponist mit Kopf und Augen und nennt sich selbst Weihnachtsbaumcouturier, der den Baum als Model und den Schmuck als Mode bezeichnet. Er  lässt auch viele Weihnachtsdekorationen nach seinen Ideen fertigen. Der Preis für einen dekorierten Baum kann schon 2.500 Euro erreichen.  Das Schmücken eines Weihnachtsbaums muß zelebriert werden, das Wort „hängen“ ist zu banal für ihn. Zuerst sollen die Kerzen angebracht werden, dann mittig innen die ersten großen Kugeln.
Bei Kaffee und Brot mit Appenzeller Käse erzählt er uns von seinen schönsten Weihnachtsbäumen im Gletscher in Grindelwald und bei den Pyramiden von Sakkara. Ein Traum geht noch durch seinen Kopf : Er liebt einen kleinen versteckt in Basel liegenden Glockenturm. Darin will er „seinen“ Baum schmücken und neben ihm die Nacht verbringen
Wie ist Wanner zu einem “Weihnächtler”, wie er sich auch bezeichnet, geworden? Nach einer kaufmännischen Ausbildung eröffnete er ein Antiquitätengeschäft in Basel und bemerkte, daß einige Kunden besonders an traditionellem Weihnachtsschmuck interessiert waren. Er reiste  zu den Glasbläser-Werkstätten nach Thüringen, Tschechien und Böhmen, denn er hatte als Schweizer das Recht zum Kaufen der Weihnachtsdekorationen aus dem Osten. Für rund 500.000 Ostmark ließ er jährlich in Thüringen fertigen und bekam die Sondergenehmigung, daß der Weihnachtsschmuck als Kulturgut deklariert exklusiv ausgeführt werden durfte. „Mit 23 hörte ich auf zu arbeiten. Dann machte ich meine Leidenschaft zum Beruf: Weihnachten.“ Das war vor 44 Jahren und nun ist das Weihnachtshaus im Sommer eine Touristenattraktion und im Winter der Treffpunkt von Weihnachtsenthusiasten aus der ganzen Welt.
 

Und hier noch einige Bilder aus dem “Weihnachtsbaumschmuckausstattungsspezialgeschäft”