KRAMERS-REISETIPPS

                                                                                    

Königin der Herden –
Die Kühe der Eringer-Rasse im Wallis


Ein Großereignis im Gebiet Nendaz im Schweizer Wallis ist jedes Jahr der Almauftrieb „Inalpes“ der robusten Eringer-Kühe.
Vorfahren dieser Rasse sollen mit den Römern in das heutige Gebiet des Kantons Wallis gekommen sein.

Die massigen 700kg-Brocken, die andernorts glatt als Stiere durchgehen würden, mit ihren großen wohlklingenden Glocken am Hals werden im Wallis gezüchtet und sind eigentlich sehr zutraulich, aber wehe, wenn die winterliche Stallzeit zu Ende ist und der Almauftrieb beginnt. Dann werden diese schwarz- bis leicht rötlich-gefärbten Kühe „kuhbissig“ und es beginnt ein giftiger Hierarchiekampf untereinander. Auf den Weiden muss ständig die Rangordnung geklärt werden.
Nachdem sie ein paarmal am Boden gescharrt haben, gehen sie in den Clinch. Kopf an Kopf verkeilen sie ihre Hörner und drücken so lange, bis eine der beiden Kühe aufgibt.  Ihre Gegnerinnen suchen sie sich selbst und beenden den Kampf, wenn sich ein Tier abwendet. Dann geht es in die nächste Runde…. In einer Herde von 60 Kühen gibt es im Schnitt 50 – 60 Kämpfe – pro Tag!


Der natürliche Kampfsinn dieser statusbewußten Muskelpakete lässt diese Rinderrasse – es sind keine Milchkühe -  um den Leitplatz streiten und manchmal sieht es recht gefährlich aus, v.a. wenn die berggängigen Kühe die Gegnerinnen von kleinen Abhängen schubsen. Verletzungen gibt es aber selten.

Der Almauftrieb der Glocken-behangenen Kühe  ist inzwischen zu einem großen Volksfest geworden. Das genaue Datum  kann man über www.nendaz.ch erfragen, da es vom Wetter abhängig ist, ob die Tiere genügend Nahrung auf den oberen Weiden bis in 3000m Höhe finden. Gruppenweise werden sie auf die Alm geführt, nach Alter und Gewicht getrennt.
 Die stärkste Kuh wird schließlich Siegerin und Königin. Hat sie bis zum Herbst durchgehalten, ist sie 40.000 CHF wert. Aber um Geld geht es den stolzen Besitzern nicht.

Wer die schönen Tiere im Sommer in Ruhe beobachten will, sollte einen Abstecher nach Siviez in ca. 1700m Höhe unternehmen. 200m bergauf von der Sesselliftstation kann man durch bunte Alpenwiesen mit Trollblumen, Türkenbund und Orchideen zu den Eringer-Kühen wandern und sie beobachten. Abends trifft man dort auch die leidenschaftlichen Besitzer dieser Symbole der Walliser Landschaft und da bietet sich sicherlich auch ein kleiner Plausch mit den urigen Einheimischen an.

Info: www.nendaz.ch

 

Die Sieger-Kuh (Königin) steigt im Wert auf ca. 30.000-50.000 sfr.
DSCN2548
DSCN2781